Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Spurensuche

Spurensuche ist ein Angebot an alle, die sich für die Vergangenheit von Gevenich interessieren, die wissen möchten, wie unsere Vorfahren vor Generationen, vor Jahrhunderten gelebt haben, wie sich das Leben und der Ort veränderten. Vielen Dank an Walter Schleuss für diese Beiträge.

Dederes aal Housdier

Jemanden zur überrumpeln, ihn unvorbereitet mit Unangenehmem zu überraschen, macht keinen guten Eindruck. Wer so “mit der Tür ins Haus fällt”, darf nicht mit offenen Armen rechnen.

Diese Redensart hat in der Anlage der alten Häuser ihren realen Hintergrund. Kaum mehr vorstellbar in einer Zeit, in der selbst auf unseren Dörfern die Haustüren auch tagsüber verschlossen bleiben und eine Klingel und ein Spion zusätzliche Gewissheit verschaffen, dass wir mit keiner unliebsamen Überraschung rechnen müssen. Es war einmal anders.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass unsere Haustüren vom Dorfschreiner individuell gestaltet und in die alte Hausfront mit ihren Sprossenfenstern eingepasst wurden, bevor pflegeleichte Alu-Türen und Glasbausteine aus dem Baumarkt unsere Neubauten bundesweit uniformiert haben. Davor hatte jedes Haus sein eigenes, freundliches Gesicht, und die Haustür entsprach dem Alltag der Menschen und stand meistens einladend offen.

 

Eins der wenigen, aufwändig gearbeiteten Sandsteingewände mit der  vor 1900 entstandenen Doppeltür, die die ursprüngliche Tür aus dem 1. Drittel des 19. Jahrhunderts ersetzte. Doch wo ist sie geblieben?  Aufnahme nach 1960

  Aufnahme von Dederes Dier nach 1960. Der obere Teil konnte mit einem Metallknauf aufgestoßen werden.

Weiterlesen: Dederes aal Housdier

Bewährt, "geliebt" und unvergessen

Oos Pinneschoh

Mit den römischen Legionen kamen auch die genagelten Schuhe ins Land, wurden den Bedingungen  und Bedürfnissen der Region und der Bevölkerung angepasst und haben sich seit 2000 Jahren   bewährt.

 
 
Einfache Soldaten trugen die genagelten, 3-lagigen Ledersandalen, wie Funde aus Mainz und (hier) Trier belegen. Experimentalarchäologische Tests haben ergeben, dass die Legionäre damit gut und gerne etwa 1000 km marschieren konnten. Bis zu 80 Nägel waren in die römischen Sandalen geschlagen, während unsere Schuhe etwa 30 bsi 40 Pinnen hatten.

Kein Kleidungsstück hat die Landbevölkerung so lange unverändert begleitet wie der Pinneschoh, der zum Inbegriff  für ihr mühevolles Leben geworden ist. Kein Kleidungsstück war so strapazierfähig und wurde von Groß und Klein, Mann und Frau an allen Werktagen sommers wie winters getragen.

Und als sich die Zeit in den 50-er Jahren radikal änderte, der Umbruch in der Landwirtschaft auch bei uns einsetzte und sich die Lebensumstände “besserten”,  galt der Pinneschoh schon bald als ein Relikt aus einer Zeit, die man schnell vergessen wollte. Der genagelte Schuh war peinlich geworden und erinnerte wie das Platt an Enge und Engstirnigkeit. Man konnte und wollte sich  “Besseres” aus der Fabrik leisten. Der genagelte Schuh verschwand aus dem Alltag. Einst heiß geliebt, aber auch gehasst, gehörte er als Erinnerungsstück an schlechte Zeiten zu den ersten Opfern und ist nur noch in der Erinnerung der Älteren und auf Fotos bis 1950 zu finden.


Detail aus einem Foto von Arnfried Leuschner.

Weiterlesen: Bewährt, "geliebt" und unvergessen

Oos aal Poarhous

Der Bau des alten Pfarrhauses vor genau 200 Jahren bedeutete für Gevenich eine wichtige Zäsur in seiner Geschichte, Abschluss und Neubeginn.

Seit der Karolinger Zeit nach 800 war Alflen ein religiöser Kernpunkt unserer Region und schon früh mit dem Stift Karden verbunden, das hier nicht nur einen eigenen Hof unterhielt, sondern zeitweise auch 2 Drittel des Kirchenzehnten beanspruchte.  Seit Beginn im Hochmittelalter war auch Gevenich der ecclesia de Alflone zugeordnet und gehörte wie Auderath, Georgs- und Morschweiler zur Pfarrei Alflen. Bis zu seiner Auflösung 1802 durch die französische Besatzung stellte das Stift Karden viele Pfarrer, die auch Gevenich mit verwalteten und geistlich betreuten. Jahrhunderte lang galt die von Kurtrier immer wieder bestätigte Regelung, dass der Pfarrer von Alflen in Gevenich alle 2 Wochen einen Sonntagsgottesdienst zu halten hatte. Verschiedene Hinweise deuten darauf hin, dass es wiederholt Bestrebungen der Dorfbewohner gab, Gevenich von Alflen zu lösen. Es muss aber offen bleiben, wie realistisch diese Versuche waren.

Weiterlesen: Oos aal Poarhous