Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Spurensuche Listenansicht

Feuerstein und Zunderschwamm

Typische Formen steinzeitlicher Flintwerkzeuge

Typische Formen steinzeitlicher Flintwerkzeuge

Wenn in Gevenich zur Zeit riesengroße “Feuersteine” aus der Tiefe auftauchen, dann regt diese Information dazu an, einen kurzen Blick auf die echten Feuersteine zu werfen, die vor vielen Generationen auch in Gevenich unentbehrlich waren.

Stahleisen

Diese Feuer-, Flint- oder Silexsteine kamen in Gevenich nicht vor und gelangten als begehrtes Handelsgut in den Ort. Seit der Steinzeit waren sie wichtiges Rohmaterial, um Werkzeuge (Schaber, Bohrer, Messer ....) oder Waffen herzustellen. Die große Härte und die scharfkantigen Abschläge dieser Steine waren für vielerlei Tätigkeiten einsetzbar. 

Seit eh war es einer geübten Hand möglich, mit diesen Feuersteinen Funken zu erzeugen. Dabei genügte es nicht, verschiedene Steine gegeneinander zu schlagen.

 

Bis ins 20. Jahrhundert kam hier ein eigens geformtes Stahleisen zum Einsatz, das sich bequem um die Finger der Hand legte. Gegen diesen Stahl, der einen besonders hohen Anteil von Kohlenstoff enthielt, wurde nun der Feuerstein geschlagen. Physikalisch gesehen wurden dabei durch den harten Stein winzige Späne vom Stahl abgeschlagen, die infolge der Reibungshitze aufglühten und Zunder zum Glimmen brachte. Noch vor 150 Jahren war getrockneter Zunderschwamm das Material, das zum Feuer anzünden benutzt wurde. Das zähe und faserreiche Material des Pilzes,  der sich in unseren Breiten vorwiegend an kranken Buchen oder Birken findet, wurde abgeschält, getrocknet und oft in Salpeterlösung getränkt. Seine  besondere Eigenschaft bestand darin, dass es nach dem Anglühen ständig weiter glimmte, ohne zu brennen/verbrennen. Deshalb war dieser Schwamm vor allem auch bei Rauchern beliebt und unentbehrlich. Dass er auch auf Wunden gelegt zum Blutstillen verwendete wurde, sei nur am Rande erwähnt. Wollte man eine offene Flamme haben, wurde draußen auf dem Feld etwas trockenes Gras oder anderes, leicht brennbares Material daran gehalten.

Feuerstahl Feuersteine
Der beigefügte Feuerstahl wurde bis ins 20. Jahrhundert von Joh. Jos. Hammes, gest. 1945, benutzt.
Mit der Zeit ging das Wissen, mit diesen “Urmaterialien” Feuer zu schlagen, im Dorf verloren. Zuletzt versuchte sich noch die Jugend des Dorfes beim Viehhüten in dieser Fertigkeit, kein leichtes und oft vergebliches Bemühen. Aber es gab ja schon die praktischen Streichhölzer.

Noch im vorigen Jahrhundert wurden Feuerstahl und Feuerstein zum Feuer machen benutzt und auf dem Lande erst allmählich von den neumodischen Zündhölzern, eine Vorstufe der späteren Streichhölzer, verdrängt. Stahl- und Feuerstein wurden immer im Hosensäckel getragen. Dabei war der wertvolle Stahl manchmal auch durch eine Kette gesichert. Als der Zunderschwamm außer Mode kam, taten andere Materialien wie trockene Hobelspäne ihre Dienste.

Ins allgemeine Bewusstsein rückten Feuerstein und Feuerschwamm, als man vor einigen Jahren gerade diese Utensilien bei der mittlerweile weltweit bekannten Gletschermumie Ötzi fand.

Ansonsten hat das sog. Steinschlossgewehr vom 16.bis ins 19. Jahrhundert hinein Geschichte gemacht, da das trockene Schwarzpulver erst durch umständlichen Funkenschlag gezündet werden konnte.

Der Trokar, Instrument der letzten Chance

TrokarDer Trokar war sozusagen das Instrument der letzten Chance und hat, rechtzeitig eingesetzt in der Hand eines Tierarztes oder Heilkundigen viele Bauern vor einem großen Verlust bewahrt. Immer wenn ein Rind zu viel jungen Klee gefressen hatte und durch allzu große Gasbildung der Pansen zu platzen drohte, konnte das Tier nur dadurch gerettet werden, dass der dreikantige Dolch von außen in den aufgedunsenen Pansen gestoßen wurde, so dass die Gase durch den entstandenen Kanal ausströmen konnten. Da die scharfe Schneide das Gewebe glatt durchschnitt, entstanden bei gekonnter Durchführung nur kleine Wundränder, so dass die Wunde relativ schnell verheilte, wenn sie vor Verschmutzung geschützt werden konnte. Da sich die Prozedur in der Regel im Hof abspielte und regelmäßig zahlreiche Zuschauer, darunter auch Kinder, anlockte, war das Tagesgespräch für einige Tage gesichert. Der Gestank des ausströmenden Methangases aber lag noch lange in der Luft und prägte sich ins Gedächtnis ein.