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Met Sechel, Säns un Krúmmes

Getreideernte in alter Zeit

Was die moderne Technik heute in wenigen Stunden leistet, war für unsere Vorfahren  mühselige Arbeit über Wochen, war ein Wettlauf mit der Zeit und dem Wetter, entschied über Auskommen und Brot, über Hunger oder Notzeiten.
Einfachste Werkzeuge, Sicheln, begleiteten die Menschheit durch die Jahrtausende ihrer Geschichte. Sie behielten, mit regionalen Abweichungen, ihre Grundform durch die Zeit und kamen auch bei uns bis ins frühe 19. Jahrhundert zum Einsatz, um Getreide zu schneiden, bis sich die Sense auch hierzulande durchsetzte.
Jeder kennt die moderne Sichel, deren halbrundes  Stahlblech innen zur Schneide ausgebildet ist und in einem Holzgriff sitzt. In Gevenich war/ist das die “Krúmmes”, die, so weit die Erinnerung zurück reicht, allein dazu diente, kleine Mengen Gras an den Wegrändern, unter Hecken oder schwierigen Stellen im “Räach” zu schneiden.

2 Gevenicher Getreidesicheln aus dem 19. Jahrhundert, gefunden unter einem vergessenen Haufen “Koof”.

2 Gevenicher Getreidesicheln aus dem 19. Jahrhundert, gefunden unter einem vergessenen Haufen “Koof”.

Krúmmes

Krúmmes

Ganz anders die Sichel, die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei der Getreideernte selbstverständlich war. Sie hatte eine andere Form und erfüllte auch einen völlig anderen Zweck als die Krúmmes. In der Form offener und ausladender als die Krúmmes war sie auch deutlich größer und sichtlich schmäler gearbeitet. Ein markanter Unterschied war zudem, dass ihre konkave Innenseite nicht in erster Linie als Schneide ausgebildet war, um Getreidehalme abzuschneiden. In Gevenich wie in der gesamten Eifel diente sie wohl ausschließlich zum Raffen des mit der Sense abgemähten Getreides. Um diesen Zweck zu unterstützen, war die Innenseite anders als bei der Krúmmes mit kaum sichtbaren Zähnchen ausgestattet, die sich fast nur durch leichtes Abstreichen mit der Hand feststellen ließen, die aber die Halme besser/griffiger vor dem Garbenbinden zusammenfassen ließen.

In der Vergrößerung deutlich sichtbar die kleinen Zähne, die  das Zusammenraffen der Halme unterstützen sollten.In der Vergrößerung deutlich sichtbar die kleinen Zähne, die  das Zusammenraffen der Halme unterstützen sollten. Eins der wenigen Gevenicher Hauszeichen, das sich auf einem Arbeitsgerät statt des Namens erhalten hat. Eine Zuordnung zu einer bestimmten Familie ist mir nicht möglich.
Eins der wenigen Gevenicher Hauszeichen, das sich auf einem Arbeitsgerät statt des Namens erhalten hat. Eine Zuordnung zu einer bestimmten Familie ist mir nicht möglich.

 

Da der Umgang mit der Sichel Frauenarbeit war, wiesen auch die Namenskürzel auf dem Griff auf die jeweilige Bäuerin hin. Da der Umgang mit der Sichel Frauenarbeit war, wiesen auch die Namenskürzel auf dem Griff auf die jeweilige Bäuerin hin.
Da der Umgang mit der Sichel Frauenarbeit war, wiesen auch die Namenskürzel auf dem Griff auf die jeweilige Bäuerin hin.

Mähen war in der Regel Männerarbeit, wurde aber, wenn Not am Mann war, auch von zupackenden Frauen übernommen (so in den Weltkriegen, als viele Männer an der Front waren oder nicht mehr heim kamen). Bei dichtem Getreide wurden die Halme gegen das stehende Getreide abgeschnitten, damit sie nicht umfallen konnten. Bei Sommergetreide wurde der “Hówwerkorf” aufgesetzt, damit das Getreide nicht über das Sensenblatt herunter fallen konnte.
Krúmmes und Sense wurden gedengelt und anschließend mit dem Wetzstein abgezogen. Beim Dengeln wurde die Schneide auf einem speziellen, kleinen Amboss, der in einem Holzblock steckte, dünn ausgetrieben. Ein spezieller Dengelhammer war nur in wenigen Gevenicher Häusern vorhanden, denn jeder andere Hammer tat den gleichen  Dienst.

Dengelamboss Dengelhämmer
Dengelamboss und Dengelhämmer

Zur Erntezeit war der Dengelton schon in aller Herrgottsfrüh laut und blechern durch das ganze Dorf zu hören. Er gehörte zum Dorfleben und störte niemanden wie die ungezählten anderen Geräusche, die einst selbstverständlich waren, aber für immer aus unseren Dörfern verschwunden sind wie das allmorgendliche Geschepper der Milchkannen oder das gewichtige Gepolter der “Wall”, die langsam über die holprige Dorfstraße und die Feldwege dahin rollte.
Bei zügiger Arbeit konnte ein guter Schnitter am Tag etwa 1 Morgen mähen. Immer wieder wurde die anstrengende Tätigkeit durch eine kurze Ruhepause unterbrochen, in der man sich einen kräftigen Schluck Kaffee aus der “Bull” gönnte und vor allem dies Sense mit dem Wetzstein neu schärfte, den jeder im “Schlooterfaaß” mit sich führte.

Schlotterfaaß Ein abgesägtes Kuhhorn, eine selbst angenietete Gürtelaufhängung, eine prakische, patente Lösung für die Aufbewahrung des Wetzsteins, die in ganz Deutschland praktiziert wurde. Halb mit Wasser gefüllt, schlotterte der Behälter bei jeder Bewegung am Gürtel.
Schlotterfaaß
Ein abgesägtes Kuhhorn, eine selbst angenietete Gürtelaufhängung, eine prakische, patente Lösung für die Aufbewahrung des Wetzsteins, die in ganz Deutschland praktiziert wurde. Halb mit Wasser gefüllt, schlotterte der Behälter bei jeder Bewegung am Gürtel.

1 Morgen war in etwa auch die Tagesleistung der Frauen die das abgemähte Getreide (1 guten Arm voll) mit der Sichel zusammen rafften und zu Garben banden. Dazu waren bereits während der Wintermonate oder in den Wochen vor dem “Ähr/Äa” aus langen aussortierten Halmen Strohstricke gedreht worden. Diese wurden dann vor dem Einsatz auf dem Feld, das oft weit vom Ort in “Zelles Bungert” oder einem anderen entfernten Gemarkungsteil lag , im Weiher am Backes eingeweicht und nass auf dem Buckel ins Feld getragen. Um eine Garbe zu binden, wurde das Strohseil um das zwischen die Knie geklemmte Getreidebündel geschlungen, die beiden Enden wurden fest zusammen gedreht und unter den Strang geschoben. Meist jedoch wurden die Bändel einfach auf die Stoppeln gelegt und die Frauen legten das Getreide darauf. Die Erntezeit hatte begonnen.

Jupp Matthes und Lena. Da die Getreidesichel zum Zeitpunkt des Fotos schon Jahrzehnte aus dem Arbeitsalltag verschwunden war, benutzt Lena hier zum Raffen stattdessen eine Krúmmes.
Jupp Matthes und Lena.
Da die Getreidesichel zum Zeitpunkt des Fotos schon Jahrzehnte aus dem Arbeitsalltag verschwunden war, benutzt Lena hier zum Raffen stattdessen eine Krúmmes.