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Koor met Hederich

Erstellt am Freitag, 05. September 2008 23:41
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Getreideernte vor langer Zeit

1867 Das Korn ist recht trocken weg gekommen, es hat ziemlich Stroh gegeben, aber sehr schlecht geladen, 16. Aug. erst das letzte eingefahren.

1868 18. Juli das erste Korn gemäht den 9 August das letzte eingefahren. Den 6. August die letzte Gerste geschnitten, den 3. August die erste Hafer gemäht. Ziemlich Korn Stroh wenig Haferstroh.

1869 Das letzte Korn eingefahren 28. August Die erste Hafer am 22. August Die letzte Hafer eingefahren am 16. September. Es hat viel Kornstroh gegeben aber schlecht geladen
(aber schlecht geladen bedeutet, dass die Halme und damit die Garben recht kurz geraten waren.)

 J. Görgen war kein kleiner Bauer in Gevenich. Seine knappen Anmerkungen und Hinweise zwischen 1857 und 1890 zu Wetter, Aussaat und Ernte belegen einen mühsamen Alltag übers Jahr und die Zeit der Getreideernte. In manchen Jahren mühten sich die Familien bis zu 7 oder 8 Wochen   in der Erntezeit, um den meist dürftigen, nie üppigen Ertrag einzubringen.  Und wenn dann - einige Jahrzehnte später - die Gevenicher am 1. Oktober nach Barweiler wallfahrten, stellten sie regelmäßig erstaunt fest, dass “in da Äfel de Hower nach of em Halm stäht”.

Hafer, Gerste und Roggen (Korn) waren das Getreide, das seit der Mitte des 19. Jahrhunderts überwiegend angebaut wurde und einigermaßen gedieh. Bis ins 20. Jahrhundert noch wurde streng in der Folge der 3-Felder-Wirtschaft angebaut, so dass nach den Rummele, Kullrawe und Grumpere Sommer-, Wintergetreide und Brache wechselten.

Häufig waren die Jahre, in denen nur “hier und da” die Kornhalme standen, in den Ähren kaum brauchbare Körner waren, das Unkraut vieles erstickte, Regen das Getreide auswachsen ließ oder die immer wiederkehrende Mäuseplage Monate des Hoffens zunichte machten. Der gelb blühende Hederich, der bis zu 50cm hoch werden konnte, war allgegenwärtig und ist den älteren Bauern heute noch in schlechter Erinnerung.

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts spielte der Anbau von Wicken, Hülsenfrüchten oder Dinkel/Spelz kaum mehr eine Rolle, und Weizen wurde nur in geringeren Mengen angebaut, gerade so viel, dass für die Küche und für Festkuchen übers Jahr genügend Weizenmehl im Hause war.

 

Zum letzten Mal wird auf dem Feld unterm Friedhof Hafer geerntet.
Zum letzten Mal wird auf dem Feld unterm Friedhof Hafer geerntet.

Bevor in Gevenich nach dem 2. Weltkrieg die ersten, von Pferden oder Kühen gezogenen Mähmaschinen eingesetzt wurden, wurde mit der Sense gemäht und die abgemachten Halme von Frauen oben und unten mit Strohbändeln zusammengebunden und zum Trocknen off Kaaste gesetzt. Beim Roggen wurden 9 Garben gegenüber in einen stabilen Kreis gestellt und mit einem Hut gegen schlechtes Wetter, so gut es ging, abgesichert. Dazu wurde eine Roggengarbe (nur) 1 mal unten mit einem Strohbändel gebunden. Die losen, nicht zusammen gebundenen Ähren fielen auseinander und wurden kopfüber auf die aufgestellten Garben gestülpt, so dass der Regen an den glatten Halmen nach außen gelenkt wurde.

Hafer wurde grundsätzlich mit dem Howerkorf gemäht. Die Jemadde wurden nun nicht gleich zu Garben gebunden, sondern blieben 1-2 Tage liegen, bis sie getrocknet waren. Erst jetzt wurden sie mit dem Rechen oder mit einer (Heu)gabel zu kleinen Haufen zusammen getragen, dann gebunden und aufgestellt. Beim Hafer wurden zum Schutz der 12 - 13 kreisförmig aufgestellten Garben 2 Garben schräg darüber gelegt.  Eine dritte Garbe kam dann noch obenauf, damit der Regen nicht nach innen eindringen konnte. Mit dem Leiterwagen wurden dann die Fuhren bis zum Dreschen in die Scheunen gebracht.

Die letzten Garben am Hundstang mit Blickrichtung Allerberch.
Die letzten Garben am Hundstang mit Blickrichtung Allerberch.

Stefan fährt mit kleiner Fuhre gemächlich nach Hause.
Stefan fährt mit kleiner Fuhre gemächlich nach Hause.