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Dreschen vor 60 Jahren

Met em Fläjel im Schouredenn

Die Bauern in der Eifel waren Frühaufsteher. Wenn es im alten Dorf Tag wurde, begann überall im Haus und  im Stall die Arbeit und wenn dann die Kuhketten rasselten, die Hunde an ihren Ketten zurrten und vor ihrer Hütte winselten, dann lockten - von der Retsch bes int Innerdorf  -die vertrauten Geräusche auch den Hartnäckigsten aus der wohligen Kuhle seines Strohsacks.

Ende September, Anfang Oktober waren die Tage schon merklich kürzer, und neue Töne aus der Nachbarschaft ließen aufhorchen. Ihr gleichmäßig ruhiges, aber eindeutiges  Klick-Klack oder Klick-Klick-Klack verriet, dass in den kommenden Wochen und Monaten in Gevenich die Dreschflegel wieder den Takt angaben.

Nachgestellte Vorführung des Dreschvorgangs 2001 bei Dederes Tunn in de Schouer
Nachgestellte Vorführung des Dreschvorgangs 2001 bei Dederes Tunn in de Schouer

Es ist noch nicht allzu lange her, dass diese mühsame, aber nie langweilige Arbeit im Spätherbst und Winter den Tagesrhythmus im Dorf mitbestimmte, und doch wissen nur noch wenige Genaueres über den Ablauf dieser Arbeit, denn die, die in ihrer Jugend selbst den Dreschflegel schwingen mussten, werden immer weniger.

Schon bald nach der Ernte erfolgte der erste Drusch, um das nötige Saatgetreide zu erhalten. Erst Wochen später begannen die Bauern  mit dem Dreschen der restlichen Ernte. Am Vortag wurde die Schouredenn ausgeräumt, um Platz zu schaffen. Da der Boden aus fest gestampftem Lehm bestand, hatten sich im Laufe des Jahres Löcher und Unebenheiten eingedrückt, die nun sorgfältig ausgeglichen wurden, um eine plane Fläche zu erhalten.

In den kleinen und mittleren Betrieben von Gevenich standen in der Regel 2 bis 3 Drescher für die Arbeit bereit. Wenn nur 1 Mann aus der Familie zur Verfügung stand, wurden auch ältere Töchter herangezogen, oder man half sich in der Nachbarschaft gegenseitig aus. Für die, die kein eigenes Land besaßen, war jetzt Gelegenheit, sich bei den größeren Bauern über einige Wochen hin ein Zubrot zu verdienen.

Nach der Versorgung des Viehs und dem Frühstück begann die Arbeit am frühen Morgen. Eine Anzahl Garben wurde auf die Tenne geworfen, aufgebunden und zum Dreschen ausgelegt. In großen Betrieben wie bei Lenze oder Johne waren die Scheunen groß genug, um die Garben kreisförmig auszubreiten. Dabei wurden die Ähren zueinander nach innen gelegt, während die Halme nach außen zu den Dreschern hin zeigten. Diese Rundlage war praktisch, weil sich die Dreschmannschaft ja während der Arbeit im Kreis um die ausgelegten Garben bewegte. Die meisten Scheunen aber waren klein. Die aufgeschnittenen Garben wurden hier zu einem Viereck aus 2 parallel ausgespreiteten Lagen (Ähren nach innen gegeneinander) gelegt. Während des Dreschvorgangs war die Schourepoat geschlossen, nur die kleine Tür war geöffnet. Manchmal wurde noch zusätzlich eine alte Tür zur Absperrung quer gestellt, um die beim Dreschen umherfliegenden Körner aufzuhalten.

Am Dreschtakt konnte man schon von außen genau erkennen, ob 2 Mann droschen oder 3. Das verräterische Tak-Tak oder bei 3 Dreschern das lautere Tick-Tick-Tack waren unüberhörbar. Um in Schwung und Takt zu kommen, zählte der Bauer im Schlagrhythmus laut 1-2-3. Jeder schlug dann mit Schwung bei seiner Zahl so, dass der Flegel zur rechten Zeit auf die Ähren traf  und sich insgesamt eine regelmäßige Schlagabfolge ergab. Nach kurzer Zeit hatte sich der gewünschte Rhythmus eingespielt, und der Bauer hörte mit dem lauten Zählen auf. In manchen Gegenden der Eifel wurden statt des Zählens auch Sprüche vorgesagt, um den richtigen Takt einzuüben. Davon ist in Gevenich nichts bekannt.
Sechel un Häp gehörten wie der Fläjel zu den einfachen, aber perfekten Werkzeugen auf dem Land. Ungezählte Generationen haben sie geformt und fortlaufend verbessert, so dass sie in Funktion und Material ein Optimum erreicht hatten.
 

Die Detailaufnahmen zeigen, wie ausgereift jeder Flegel war, der Jahr für Jahr über viele Wochen hin im Dauereinsatz war, aushalten musste und aushielt, auch wenn die Spuren dieses Dauereinsatzes nicht zu übersehen sind. 2 Teile machen den Dreschflegel aus, sein etwa 1,50m langer Stiel und sein Schlagholz, der eigentliche Flegel. Die Verbindung zwischen beiden musste die nötige Drehbewegung des Überschlags ermöglichen und gleichzeitig sicheren Halt geben. Entsprechend differenziert und ausgesucht waren die Materialien, aus denen (meist) der Dorfwagner die Flegel herstellte.
Ein breites Lederband war einer Kappe gleich über den Flegel gestülpt und durch lange Lederriemen fest an das Schlagholz gezurrt. Um angesichts des stundenlangen Schlagens einen sicheren Halt zu gewährleisten, waren Querrillen in das harte, nach oben etwas verjüngte Holz des Flegels geschnitten. So konnte der Riemen nicht abrutschen. In der Regel war das Schlagholz etwa 50-60 cm lang und rund. Daneben gab es auch Schlaghölzer mit rechteckigem Querschnitt
.

 


Grundsätzlich wurde für das stark strapazierte Schlagholz harte Buche oder Esche verwendet. Der dünnere Stiel bestand meist aus flexibler Haselnuss, wurde aber auch leichter wurmstichig. Zweierlei Leder wurde verwendet. Die Kappe über Stiel und Schlagholz war aus unverwüstlichem Schweinsleder wie die Querriemen in den 3 Einkerbungen des Flegels. In Gevenich waren diese Querbindungen, so eine Aussage, vereinzelt auch aus Darm gefertigt. Die lockere Riemenverbindung zwischen Flegel- und Stielkappe war dagegen aus Rindsleder, das zwar schneller verschlissen wurde, aber jederzeit zur Hand war und umgehend ersetzt werden konnte.

Die Lederkappe am Schlagstock
wurde später zunehmend
durch einen Eisenbügel ersetzt.

 

Als niemand mehr Flegel herstellte, war eine provisorische, oft unsachgemäß ausgeführte Notlösung gefragt, um schadhafte Flegel noch einsetzen zu können, wie das “Gefriemel” an der Lederkappe rechts oder das Festnageln statt der typischen Bindung durch Lederriemen links zeigt.

 Seit dem Mittelalter werden Bauern gerne beim Dreschen mit dem Flegel abgebildet, um die Härte ihres Alltags darzustellen und auf ihre Abhängigkeit hin zu weisen. Zu feiner Arbeit waren sie nicht geeignet, zu grob und ungeschlacht für die feinen Umgangsformen der Gesellschaft, Flegel also, die wie ihr Werkzeug nur für das Grobe taugten. Dreschen war harte, staubige Arbeit, die Hunger und vor allem Durst machte. Essen und Trinken wie ein Scheunendrescher ging sprichwörtlich in unseren Sprachgebrauch über, und wer so viele, so harte Schläge bekommt wie die Garben auf der Tenne, bekommt noch heute umgangssprachlich Dresche. Immer wusste man, dass es Unsinn ist, leeres Stroh zu dreschen, und jeder weiß, was er von einem großmauligen Phrasendrescher zu halten hat.

In der Realität aber war, gerade seit maschinell gedroschen wurde, handgedroschenes Stroh in vielen Bereichen sehr gefragt. Nur mit flach gedroschenem Stroh wurden die Dächer gedeckt oder wurde Flechtwerk aller Art wie Bienenkörbe ... hergestellt.