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Hirten, Engel und ein Eifelbauer

Die erste Krippe in Gevenich

Not lehrt bekanntlich beten und veranlasst uns, mehr auf das Wesentliche zu achten, die Werte und Wurzeln zu schätzen, die uns trotz allem Halt und Zuversicht geben. Diese Zuversicht braucht Zeichen. Die Weg- und Feldkreuze in Gevenich wie in der gesamten Eifel sind Zeugnisse für fromme  christlich geprägte Lebenseinstellung. Die Holzkreuze in unserer Gemarkung entstanden über Jahrzehnte während der Wintermonate in der Werkstatt von Wilhelm Müller (Pläack Wilhelm).

Wie alle anderen in Gevenich lebte auch Wilhelm Müller in einfachen Verhältnissen. Seine kleine Landwirtschaft und sein bescheidenes Anwesen neben Kosta Pitta (später Förster Klein) ermöglichte der 9-köpfigen Familie nur ein bescheidenes Auskommen, Geld war eng bemessen und auf Dauer knapp.

Aber Not macht auch erfinderisch, kreativ, und Wilhelm Müller hat in seiner schlichten Art etwas bewegt und hinterlassen, das zu erhalten, der Gemeinde gut anstünde und uns allen ein Anliegen sein sollte. Um seiner ältesten Tochter Anna eine Freude zu machen, begann er eines Tages, ihr eine Puppe zu schnitzen. Arme und Beine wurden als bewegliche Teile abschließend mit einem Stück Kordel am Rumpf befestigt. Auch wenn diese erste Puppe der kleinen Anna überhaupt nicht gefiel und sie sie, wie Anna ihren Freundinnen erzählte, schon bald im Garten vergraben hat, war dies der erste, der entscheidende Schritt. Schnitzen wurde für Wilhelm Müller ein inneres Bedürfnis, eine Lebensaufgabe. Mit seinen Händen konnte er zunehmend besser einem klobigen Stück Holz Form und Gestalt geben. In seiner engen Werkstatt auf der gegenüberliegenden Straßenseite konnte er Ärger ausweichen und  Not und Krankheit vergessen.

In der Anfangsphase seines schöpferischen Lebens entstanden auch die ersten Krippenfiguren, die erste Krippe in Gevenich überhaupt, was niemand geahnt oder für möglich gehalten hätte.  Ganz Gevenich war auf den Beinen, um dieses Werk zu bestaunen, und selbst aus den Nachbarorten Weiler, Büchel und Alflen kamen die Leute, um die geschnitzte Krippe zu bestaunen.

Und da waren sie alle, die Heilige Familie, die Engel und vor allem die vielen kleinen Leute, die einfältig, frommen Hirten in ihren schlichten Gewändern samt Ochs und Esel. Noch stimmten die Proportionen der einzelnen Figuren und die Größe der Figuren zueinander nicht so ganz. Viele wirkten noch ungelenk und steif, etwas naiv. Aber sie sind ursprünglich,
 markant, schnörkellos, einfach und echt. Wohl gehütet  haben sie überlebt wie der hagere Eifelbauer, der schon vom Alter gezeichnet, mit einem leeren Rucksack zwar, aber zielstrebig zum Stall unterwegs ist.

Die Vorstellung einiger “Randfiguren” an dieser Stelle verbindet sich mit dem Wunsch, dass sich die Gemeinde bemühe, die spätere große Krippe, die auf dem Pfarrspeicher in Büchel lagert und  zur Jubiläumsfeier nach Gevenich ausgeliehen war, wieder da hin zu holen, wo sie eigentlich hin gehört.
Ein großes Dankeschön gilt Frau Katharina Pauly, die die Figuren ihres Vaters bis heute in Ehren gehalten hat und spontan bereit war, sie einmal einem größeren Kreis vorzustellen
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