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Der Bauernkalender

Ein treuer Begleiter für den Alltag auf dem Dorf

Vor 100 Jahren gab es noch keine amtlich beglaubigten Wettervorhersagen, kein Radio informierte über die Neuigkeiten aus der nahen, geschweige denn weiten Welt, und eine Tageszeitung leistete sich bestenfalls Pfarrer Ley.

In einer Zeit, in der es um das Auskommen für den nächsten Tag ging, interessierten sich die Bauern weniger für Neuigkeiten aus der Weite. Sie wollten wissen, wann Neumond war und ob der Erntemonat wieder einmal verregnet sein werde. Die Prognosen des “Hundertjährigen Kalenders” ersetzten/ ergänzten die eigenen Naturbeobachtungen und die persönlichen Deutungen an den Laustertagen.

Das alles fand sich auch nicht in frommen Hauspostillen, die es in einigen begüterten Häusern gab und die fromme und rührselige Geschichten zur sonntäglichen Erbauung anboten.

Was die einfachen Leute interessierte, stand in den allgemein verbreiteten Bauernkalendern, die meist kleinformatig und handlich an einer Kordel in der rauchgeschwärzten Küche oder der Stube hingen und neben lehrreichen Informationen über das tägliche Leben und Ratschlägen für Garten und Landwirtschaft nicht mit Hinweisen auf die Gesundheit sparten.

Deutlich sind die Spuren des täglichen Gebrauchs des Kalenders, der allzeit griffbereit an einem Nagel aufgehängt war.

Die eigenen Wetterprognosen ließen sich aus dem “Hundertjährigen Kalender” und einschlägigen Bauernregeln selbst zusammen stellen. Ein Wetterumschwung hatte - so die Meinung - meist mit dem Lauf des Mondes und der Gestirne zu tun. Die Mondphasen bestimmten die günstigen Tage für Waldarbeiten, Aussaat oder auch einen nötigen Aderlass. Eine Spalte im Monatskalendarium war für persönliche Notizen vorgesehen. Hier finden sich dann auch wichtige Einträge über Erntemengen oder Entwicklungen im Viehbestand, wie die Notizen aus dem Jahre 1918 zeigen. Hier hatte der Bauer aus Gevenich seine Ernteerträge von Gerste und Hafer und die dazu gehörigen Gewannnamen aufgelistet. So waren einzelne Äcker  in Grödere, auf dem Hellenweg, im Rapelsrech, an der Schardenheck, beim H.häusch. mit Gerste eingesät, Hafer wurde geerntet in Manderh.(an), auf dem Bremack.(er), h.(inter) Simonswis, in der Bockswis, auf Schrotz und in Zillesb.(ungert).

Als Orientierung zur Bewältigung des Alltag informierte der Kalender über die wesentlichen Fragen und Probleme des bäuerlichen Lebens. Persönliche Notizen über den Anbau von Gerste und Hafer sowie die in Ar angegebene Feldgröße im jeweiligen Gemarkungsteil.

In Gevenich weit verbreitet war vor allen Dingen der “Kleine Hunsrücker Hinkende Bote”, der von wandernden Händlern an der Haustür angeboten wurde. Daneben gab es den Trierischen Bauernkalender.
Der Kalender  war in jedem Fall eine wichtige Hilfe. Er gab Orientierung und Sicherheit und, wer den Kalender hatte, konnte mitreden und wusste manches besser als die, die sich keinen leisten konnten oder wollten und nur im alten Trott weiter machten. So blieb der Kalender über viele Jahrzehnte ein kleines Fenster über den Dorfrand hinaus.

Die Übersicht über die Märkte der Region (Cochem, Kaisersesch, Kelberg, Mayen und Ulmen gehörte zur Standardinformation.
Für alle, die sich mit der damals üblichen Frakturschrift schwer tun, ist zum Verständnis der Marktübersicht die Auflösung der angegebenen Kürzel wichtig. V = Vieh/ Fruchtm. = Fruchtmarkt/ Schw. =Schweine/ K = Krammarkt/ F = Flachs. An den Markttagen, bei denen kein Kürzel steht, war immer Kram- und Viehmarkt angesetzt.
Eine breite Anzeigenpalette über Kraftfutter, Pillen gegen alle möglichen Leiden bei Mensch und Tier sowie Angebote über Saatgut und Kunstdünger rundete die Informationen ab, ohne bei den kleinen Bauern allzu große Wünsche zu wecken.