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Panorama

Vor 75 Jahren

Aus der Schulchronik:     Februar - März - April  1945 

Laut Anordnung des Reichsverteidigungsministers ruht ab 3. Februar jeglicher Unterrichtsbetrieb in Schulen.

Die Front rückt immer näher. Zurückziehende Truppen beziehen im Dorf Quartier. Bei Luftgefahr und vor allem durch das Näherrücken der Front fühlen sich die Dorfbewohner nicht mehr sicher in ihren Kellern. Sie graben sich in abgelegenen Talhängen Stollen oder bauen sich einen anderen Unterschlupf. Hier wollen sie sich und das Nötigste bergen, falls die Heimat Kampfgebiet werden sollte. Niemand will die Heimat verlassen.
Im Februar sollten die Schulkinder in weniger gefährdete Gebiete verschickt werden. Die Gegend von Bayreuth war für uns vorgesehen. Die Nachricht traf verspätet ein. Begreiflicherweise waren aber auch keine Eltern bereit sich von ihren Kindern zu trennen.
Wasser und Licht fehlen wieder häufig im Dorf. Postsendungen und Zeitungen kommen selten. Rundfunknachrichten können durch das häufige Ausbleiben des elektrischen Stromes auch nur gelegentlich gehört werden. Anfang März bleiben Strom und Wasser ganz aus. Der Bor, der im Frühjahr immer reichlich Wasser liefert, versorgt das Dorf mit Trink- und Waschwasser
Die Front rückt immer näher. Am 6. März hört man vormittags in Richtung Ulmen-Daun Panzer schießen. Kriegsgefangene und deutsche Soldaten fluten auf den Straßen und Wegen zurück. Soldaten erzählen an diesem Tage, der Amerikaner hätte in den Morgenstunden Daun besetzt.
Tag und Nacht hörte man in diesen Tagen starkes Panzerfeuer, auch das Rollen der amerikanischen Panzer auf der Autobahn bei Ulmen.
In diesen Tagen näherten sich auch Panzerspähwagen auf größere Entfernung unserem Dorfe. Daraufhin verließen in der Nacht die letzten deutschen Soldaten den Ort. Die Bevölkerung atmete auf und hoffte auf eine friedliche Besetzung des Dorfes. Am 11. März kamen amerikanische motorisierte Spähtrupps ins Dorf. Am folgenden Tage rückten dann die ersten amerikanischen Kampftruppen ein. Sie beschlagnahmten alle an der Dorfstraße gelegenen Häuser. Auch die Schule musste geräumt werden. Nur die allernotwendigsten Dinge durften die Leute mitnehmen. Die Räumungsfrist betrug etwa eine Viertelstunde. Diese Truppen blieben einige Tage und wurden dann von nachrückenden Einheiten abgelöst.
Sperrstunden wurden festgesetzt. Die Bevölkerung durfte sich nur von 8 Uhr bis 17:30 Uhr draußen bewegen. Später wurde die Ausgangszeit etwas verlängert. In diesen Tagen setzt selten schönes und warmes Frühlingswetter ein. Die Bauern konnten mit ihrer Feld- und Gartenarbeit beginnen. Die Baum- und Strauchblüte setzte in diesem Jahr etwa 14 Tage früher ein als sonst. Ende April war die Wasserleitung wieder betriebsfähig. Auch an der Lichtleitung wird eifrig gearbeitet.

Die Ausgehzeit ist inzwischen auf die Zeit von 6 bis 21 Uhr ausgedehnt worden. Amerikanische Militärpolizisten überwachen das Einhalten der Ausgehzeit. Die Bevölkerung erhält Passierscheine. Ohne diese darf man die Ortsgrenze nicht überschreiten. Die Benutzung von Fahrrädern ist verboten. 

Während der Zeit, in der der elektrische Strom ausblieb, ruhte der gesamte Molkereibetrieb. Die Bauern verarbeiteten ihre Milch selbst.
In dieser Zeit gab es wochenlang keine Lebensmittelkarten. Das war eine böse Zeit für die Normalverbraucher, vor allem für die etwa 100 Trierer Flüchtlinge.

Vielen Haushalten ging in jenen Tagen das Salz aus. Viele Bauern tauschten Salz gegen Fett ein. Haussuchungen nach Wehrmachtsgut finden statt. Eine Kommission ermittelt Hofbegehungen die Bestände an Getreide und Vieh.
Auf den Landstraßen ziehen die Rückwanderer wieder heimwärts. Ihre wenigen Habseligkeiten fahren sie auf alten Wagen oder selbstgebauten Karren.

 

Veranstaltungen

Bauernregel

23
November
Wenns im November regnet und frostet,
dies den Saaten das Leben kostet.